Jenny Erpenbeck erhält den Uwe-Johnson-Preis 2022

Der mit 20.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Preis 2022 wird Jenny Erpenbeck für ihren Roman „Kairos“ (Penguin Verlag) verliehen. Die fünfköpfige Jury wählte aus einer Vielzahl an eingesandten Texten aus den Bereichen Prosa und Essayistik die diesjährige Preisträgerin aus. Die feierliche Preisverleihung findet im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage am Freitag, dem 23. September 2022 in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin statt.

Die Jury begründet ihre Entscheidung für Jenny Erpenbeck folgendermaßen:

Gedächtnis und Erinnerung, das sind seit Jenny Erpenbecks Debüt mit der „Geschichte vom alten Kind“ (1999) zentrale Achsen ihres vielgestaltigen Werkes. In diesem Roman spielt das scheinbare Gegenteil von Erinnerung eine Rolle, nämlich das Vergessen. Eines Tages steht ein Mädchen nachts in einer Geschäftsstraße, das sich an nichts erinnern kann oder will. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Art Kaspar-Hauser-Motiv. Allerdings geht es im weiteren Verlauf um eine umgekehrte Sozialisation. Die Möglichkeiten einer weiblichen Biografie erkundet Jenny Erpenbeck fünffach im Roman „Aller Tage Abend“ (2012). Einige Jahre später hat Jenny Erpenbeck in einem brillanten Essay über das Erinnern nachgedacht. Ausgangspunkt ist eine Traueranzeige in einer Berliner Zeitung, die frühere Schüler anlässlich des Abrisses ihrer Grundschule geschaltet hatten. Die Grundschule lag zwischen Leipziger Straße und Springer-Hochhaus im Osten Berlins. Was passiert, fragt sich das Ich, wenn Orte verschwinden.
Diesem Vorgang des Verschwindens, des Vergessens, des Aus-dem-Gedächtnis-Fallens war Jenny Erpenbeck schon in dem Roman „Heimsuchung“ (2008) und sodann in ihren wundervollen Miniaturen „Dinge, die verschwinden“ (2009) nachgegangen. Dabei hatte sie bedacht, wie es sich mit Artefakten, Zeiten oder Personen verhält, die plötzlich nicht mehr existieren. Was Jenny Erpenbeck hier zum Problem der Erinnerung markiert, das kommt durchaus der Überlegung von Uwe Johnson nahe, der schon früh danach gefragt hat, was „von einem Menschen übrig (bleibt) im Gedächtnis seiner Umgebung“. Genau diese Johnson-Frage führt nunmehr an den Kern des Romans „Kairos“. „War der Augenblick ein glücklicher, in dem sie damals, als neunzehnjähriges Mädchen, Hans traf?“, fragt Katharina im Prolog.
Auslöser für das Erinnern ist die Mitteilung von Hans‘ Tod, vor Jahrzehnten war Hans ihre große Liebe. Nun stehen vor ihr zwei große Kartons, in denen sich Teile der Geschichte der beiden finden: Briefe, Aufzeichnungen, Notizen, Einkaufszettel, Jahreskalender, Fotos, Postkarten, Collagen. Katharina ergänzt diese Fundstücke um eigene wegsortierte Briefe, Tagebücher, alte Mappen. Aus der Gegenwart geht die Protagonistin zurück in das Jahr 1986, mithin in die Endphase der DDR. Die Struktur des Romans ist mit „Karton I“ und „Karton II“ gesetzt und in entsprechende Kapitel gegliedert. Über das Erinnern entsteht eine Art Prosanetz, in dem die Geschichte einer großen Liebe zwischen Euphorie, Enttäuschung und zunehmendem psychologischen Druck erzählt wird.
Die Protagonistin ist 1967 geboren, ihr Partner Hans ist 34 Jahre älter. Auf diese Weise verbinden sich die Prägungen zweier Generationen – jener, die den DDR-Sozialismus ausrief und jener, die sich in ihm nicht mehr wiederfand – mit einer besonderen Liebesgeschichte. Jenny Erpenbeck gelingt eine nahtlose Verbindung von Privatem und Öffentlichem, die zur Folie für einen Roman wird, der sowohl die Ideale des Beginns in den Blick bekommt, wie auch das Scheitern jenes Staates, den Uwe Johnson einmal als „wünschenswert“ bezeichnet hat. Unmerklich und literarisch faszinierend werden dabei Ankerpunkte gesetzt, die Hinweise auf das geben, was man kulturelles Gedächtnis nennt: Zitate aus Liedern, Gedichten, Theaterstücken, philosophischen Schriften, Losungen oder Wandzeitungsüberschriften. Die Veränderungen in der Liebe sowie die zunehmende Bedeutung der unterschiedlichen Erfahrungen innerhalb des sich wandelnden gesellschaftlichen Systems erkundet die Autorin mit einer Sensibilität, die in der Tradition des Schreibens von Uwe Johnson steht.

Der Jury gehören an: Gundula Engelhard (Geschäftsführerin der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft), Carsten Gansel (Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen; Sprecher der Jury), Cornelia Geißler (Kulturredakteurin der Berliner Zeitung), Michael Hametner (ehemals leitender Literaturredakteur und Moderator bei MDR FIGARO) und René Strien (ehemaliger Geschäftsführer des Aufbau Verlages und seit 2018 Geschäftsführer des OKAPI Verlages Berlin).

Logo Uwe-Johnson-Preis 2022

Ausschreibung für Uwe-Johnson-Preis 2022 startet

Für den mit 20.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage bis zum 1. März 2022 unveröffentlichte sowie seit April 2020 veröffentlichte Arbeiten aus den Bereichen Prosa und Essayistik einreichen. Der Uwe-Johnson-Preis würdigt deutschsprachige Autorinnen und Autoren, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihren Texten ebenso unbestechlich und jenseits der »einfachen Wahrheiten« deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 23. September 2022, statt. Im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage in Neubrandenburg wird die Preisträgerin oder der Preisträger zudem vor einem breiten Publikum lesen. Eine weitere Lesung wird in Berlin stattfinden.

Vor zwei Jahren wurde der Uwe-Johnson-Preis Irina Liebmann für ihren ihrem Roman »Die Große Hamburger Straße« zugesprochen. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern der letzten Jahre zählen Ralf Rothmann (2018), Jan Koneffke (2016), Lutz Seiler (2014), Christoph Hein (2012), Christa Wolf (2010) und Uwe Tellkamp (2008). Seiler und Tellkamp erhielten kurz nach der Verleihung des Uwe-Johnson-Preises auch den Deutschen Buchpreis.

Der Uwe-Johnson-Preis wurde 1994 erstmals verliehen, Kurt Drawert (1994), Walter Kempowski (1995) und Marcel Beyer (1997) gehören zu den ersten Preisträgern. Der mit 20.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Preis wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Berliner Kanzlei Gentz und Partner im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis vergeben. Der mit 5.000 Euro Preisgeld ausgelobte Uwe-Johnson-Förderpreis würdigt herausragende Debütromane. 2021 wurde Benjamin Quaderer für seinen Roman »Für immer die Alpen« ausgezeichnet.

Vorschläge können bis zum 1. März 2022 bei der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg eingereicht werden.

Weitere Informationen zum Preis und zu den Teilnahmebedingungen finden Sie unter:
www.uwejohnsonpreis.de/2022/01/27/teilnahmebedingungen-uwe-johnson-preis-2

Pressekontakt:

Lisa Beuster | Kirchner Kommunikation | Gneisenaustraße 85 | 10961 Berlin | Tel: 030/84 71 18 18 | beuster@kirchner-pr.de

Teilnahmebedingungen Uwe-Johnson-Preis

Mit der Aufhebung der deutschen Teilung erfährt ein Schriftsteller besondere Aufmerksamkeit, der über Jahrzehnte als ein „Dichter der beiden Deutschland“ oder als „Autor der deutschen Teilung“ etikettiert worden war: Uwe Johnson. Ein Grund ist darin zu suchen, dass es ihm in seinen Werken immer um „die Grenze: den Unterschied: die Entfernung“ ging.

Die Grenzerfahrung bedeutete für Uwe Johnson auch den Versuch, das Auseinanderleben und das Fremdwerden der Deutschen zu erfassen und jeweils „die andere Seite mit ihren eigenen Augen“ zu sehen. Dabei ist Uwe Johnson mit Vergangenheit in einer Weise erzählerisch umgegangen, die ein Wiedererkennen er­mög­licht, auch und gerade obwohl er keine „Wirklichkeitsschaufelei“ betreibt.

Wahrheitsfindung, Erinnerungssuche, Gedächtnis, Trauerarbeit, Zeugenschaft, Dokumentation, Spurensuche, Grenzerfahrung – das sind nur einige Stichworte, mit denen Aspekte des Johnsonschen Werkes vereinfachend umschrieben werden können.

Die Spezifik von Johnsons Erzählkonzept hat eine Ursache in seinem Wissen, dass es eine – wie auch immer geartete – einfache Wahrheit nicht gibt. Aus eben diesem Wissen erklärt sich seine zurückhaltende Ein­ladung, die im Roman angebotene „Version der Wirklichkeit zu vergleichen mit jener, die Sie unter­halten und pflegen.“

Es geht also nicht nur um das Tolerieren des „unterschiedlichen Blicks“, sondern jener ist Grundlage moralischer und ästhetischer Existenz.

Preis

Mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den Uwe-Johnson-Preis und den Uwe-Johnson-Förderpreis in jährlichem Wechsel.

Bedingungen

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Arbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Arbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 13. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Dotierung

Der Uwe-Johnson-Preis ist mit 20.000 Euro, der Förderpreis mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklärt sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen und Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Berlin oder in Neubrandenburg statt, im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage wird außerdem eine Lesung der Preisträgerin/des Preisträgers in Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet.

Einreichung

Zur Teilnahme senden Sie die Titeleinreichungen bitte bis zum 1. März sowie

  • je 2 Exemplare der eingereichten Bücher
  • ein honorarfreies, druckfähiges digitales Autorenfoto (300 dpi)
  • eine druckfähige digitale Abbildung des Titelcovers (300 dpi)
  • Informationen zur Autorin/zum Autor und Werk
  • die vollständigen bibliografischen Daten

an folgende Adresse:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg

E-Mail für digitale Daten: pegasus-mlg@gmx.de

Für weitere Rückfragen steht Ihnen Frau Dr. Gundula Engelhard unter Telefon 0395 5 44 16 71 zur Verfügung.

Fünf Fragen an Cornelia Geißler

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Uwe Johnson denken?

Ich sehe die South Ferry vor mir, mit Gesine und Marie Cresspahl an Bord. In meinem Kopf fährt sie von New York bis nach Güstrow in Mecklenburg, weil die Johnson-Lektüre für mich Heimat und Fremde verbindet, das Ferne vertraut macht und das Nahe anders.

Wie schätzen Sie die Bedeutung Uwe Johnsons und seines Werkes ein?

Er gehört zu den Großen des 20. Jahrhunderts; auf einzigartige Weise fasst er mit seiner Sprache, seiner literarischen Methode und seinen Themen die Verstrickungen der Menschen in politische Zeitläufe.

Welches Buch von Johnson muss man unbedingt gelesen haben und warum?

„Die Jahrestage“, auch weil sie leicht zugänglich sind, wenn man am 21. August zu lesen beginnt und sich Johnsons Kosmos Tag für Tag erschließt.

Warum gehört der Uwe-Johnson-Preis unbedingt in die deutsche Literaturlandschaft?

Ich halte Literaturpreise für wichtig, um der Arbeit von Autorinnen und Autoren Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ein Preis in Johnsons Namen steht für einen hohen Anspruch an das ausgezeichnete Werk.

Was wünschen Sie dem Preis?

Die Nachricht von seiner Verleihung möge als Einladung ans Lesepublikum verstanden werden, sich mit den Büchern der Preisträgerin oder des Preisträgers zu befassen und natürlich: Uwe Johnson zu lesen.

Programm der Uwe-Johnson-Tage 2021

Die UWE JOHNSON-TAGE 2021 finden vom 20. September bis zum 28. Oktober statt.

Wir laden Sie herzlich ein zur Veranstaltungsreihe der Mecklenburgischen Literaturgesell­schaft e.V. und der Barlachstadt Güstrow gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB.

PROGRAMM (hier als PDF abrufbar)

Montag, 20. September 2021, 19.00 Uhr – Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

Eröffnung der Uwe Johnson Tage 2021 durch Prof. Dr. Carsten Gansel, Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., und Dr. Tilman Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow

„Die Große Hamburger Straße“ – Lesung und Gespräch mit Irina Liebmann, Uwe Johnson-Preisträgerin 2020

Moderation: Dr. Gundula Engelhard


Dienstag, 21.
 September 2021, 19.30 Uhr – Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow, Am Wall 2, 18273 Güstrow

„Die Große Hamburger Straße“ – Lesung und Gespräch mit Irina Liebmann, Uwe Johnson-Preisträgerin 2020

Moderation: Dr. Tilman Wesolowski

„Gedächtnis und Erinnerung sind zentrale Achsen im Gesamtwerk von Irina Liebmann, in dem es nach Reportagen und Hörspielen mit ‚Berliner Mietshaus‘ (1982) ein vielbeachtetes Prosadebüt gab. Von Beginn an ging es ihr darum zu erzählen, ‚wie etwas wirklich ist‘. Damit waren schon früh Koordinaten für eine Poetologie gelegt, die Bezüge zu der von Uwe Johnson haben. Es geht nämlich immer auch darum, ‚Herkunft, kenntlich zu machen‘ und ‚in Kenntnis (zu) leben‘. Dazu hat Irina Liebemann sich immer wieder auf eine akribische Spurensuche begeben. … Es werden Töne in Moll und Dur angeschlagen und Zeit-Schwingungen erzeugt, die Vergangenes und Gegenwärtiges verbinden. Entstanden ist ein Roman in Bildern, und mitunter ähnelt die Sprache einem Prosagedicht.“ (aus der Begründung der Jury)

Irina Liebmann, geboren in Moskau, lebt in Berlin. Seit 1975 freie Autorin, schrieb sie Poeme, Hörspiele, Theaterstücke und Prosa. Nach „In Berlin“ und „Die freien Frauen“ ist „Die Große Hamburger Straße“ ihr dritter Roman über die Verknüpfung unterschiedlicher Zeitebenen. Irina Liebmann wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Berliner Literaturpreis (1998), dem Preis der Leipziger Buchmesse (2008) und dem Preis Von Autoren für Autoren des Lübecker Literaturtreffens (2015).


Mittwoch, 22.
 September 2021, 19.00 Uhr – Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

„Vierunddreißigster September“ – Lesung und Gespräch mit Angelika Klüssendorf

Moderation: Carsten Gansel


Donnerstag, 23.
 September 2021, 19.30 Uhr – Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow, Am Wall 2, 18273 Güstrow

„Vierunddreißigster September“ – Lesung und Gespräch mit Angelika Klüssendorf

Moderation: Dr. Tilman Wesolowski

Ein Dorf in Ostdeutschland: Walter, ein zorniger Mann, erschlagen in der Silvesternacht von Hilde, der eigenen Frau. Nur kurz vor seinem Ende war er plötzlich sanft

und ihr zugewandt. Dann ein Friedhof: Die Toten studieren die Lebenden. Walter wird zum Chronisten, sieht sich dazu verdammt, die Schicksale im Dorf festzuhalten. Und er fragt nach dem Warum. Was war der Grund für Hildes Tat? Geschah es aus Hass oder aus Barmherzigkeit? „Vierunddreißigster September“ ist ein berührender Roman, der Abgründe auslotet, er kommt den Menschen so nah, dass es schmerzt. Aus Angelika Klüssendorfs Sprache strahlt eine große Kraft, sie ist präzise und voll tiefschwarzer Komik.

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute wohnt sie auf dem Land in Mecklenburg. Sie veröffentlichte mehrere Erzählbände und Romane und die von Kritik und Lesepublikum begeistert aufgenommene Roman-Trilogie „Das Mädchen“, „April“ und „Jahre später“, deren Einzeltitel alle für den Deutschen Buchpreis nominiert waren und zweimal auch auf der Shortlist standen. Zuletzt wurde sie mit dem Marie Luise Kaschnitz-Preis (2019) ausgezeichnet.


Freitag, 24.
 September 2021, 19.00 Uhr – Schauspielhaus/Probebühne, Pfaffenstraße 22, 17033 Neubrandenburg

Verleihung des Uwe Johnson-Förderpreises an Benjamin Quaderer für seinen Roman „Für immer die Alpen“

Laudatio: Cornelia Geißler, Berliner Zeitung

Lesung und Gespräch mit dem Preisträger – Moderation: Michael Hametner


Dienstag, 28.
 September 2021, 19.00 Uhr – Stadtarchiv, Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße), 17033 Neubrandenburg

„Das Erbe sind wir. Warum die DDR-Journalistik zu früh beerdigt wurde. Meine Geschichte“ – Lesung und Gespräch mit Michael Meyen

Moderation: Prof. Dr. Carsten Gansel

Michael Meyen erzählt in diesem Buch drei Geschichten: die Geschichte der Journalistenausbildung in der DDR, die Geschichte der Kommunikationswissenschaft in der westlichen Welt und seine eigene Geschichte, die eng mit den ersten beiden Geschichten verbunden ist. Der Autor ist 1988 nach Leipzig gekommen, um Parteijournalist zu werden – 30 Jahre später zeigt sich: Die Vergangenheit weigert sich hartnäckig zu verschwinden. Die Sektion Journalistik steht pars pro toto für den Umgang mit dem Erbe der DDR. Hier ist ein Paradigma entsorgt worden, das Forschung und Berufspraxis verbunden hat und heute helfen könnte, die Redaktionen aus der Umklammerung der Politik zu befreien oder von den Zwängen einer kommerziellen Medienlogik, für die Aufmerksamkeit alles ist und alles andere nichts.

Michael Meyen, Prof. Dr., Jahrgang 1967, studierte an der Sektion Journalistik und hat dann in Leipzig alle akademischen Stationen durchlaufen: Diplom (1992), Promotion (1995), Habilitation (2001). Parallel arbeitete er als Journalist (MDR info, Leipziger Volkszeitung, Freie Presse). Seit 2002 ist Meyen Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienrealitäten, Kommunikations- und Fachgeschichte sowie Journalismus.


Dienstag, 12.
 Oktober 2021, 19.00 Uhr – Stadtarchiv, Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße), 17033 Neubrandenburg

„Die Jahre der wahren Empfindung. Die 70er – Eine wilde Blütezeit der deutschen Literatur“ – Lesung und Gespräch mit Helmut Böttiger

Moderation: Dr. Gundula Engelhard

Die 70er Jahre waren ganz anders. Gerade die Parole vom „Tod der Literatur“, die mit der Nummer 15 des „Kursbuchs“ 1968 verbunden wurde, löste eine nach allen Seiten hin wuchernde und wilde Blütezeit der Literatur aus! Überall wurden kleine alternative Literaturzeitschriften, Verlage und Buchhandlungen gegründet, für die Hoch- und Subkultur keine Gegensätze mehr waren. Eine neue Generation begann

nach unterdrückten Gefühlen, nach Freiräumen für die eigene Subjektivität zu suchen. Helmut Böttiger zeichnet ein differenziertes, bunt schillerndes Bild der politischen, kulturellen und literarischen Prozesse dieses Jahrzehnts zwischen Aufbruch und Desillusionierung.

Helmut Böttiger, geb. 1956, studierte Germanistik und Geschichte in Freiburg. Seit 2002 arbeitet er als freier Autor, Literaturkritiker und Essayist. 2013 erhielt er für sein Buch „Die Gruppe 47“ den Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Sachbuch. Im Wallstein Verlag veröffentlichte er „Celan am Meer“ (2017) und gab „Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland“ (2009) sowie „Geistesgegenwärtig. Szenen einer deutschen Kulturgeschichte“ (2015) heraus.


Donnerstag, 28.
 Oktober 2021, 19.00 Uhr – Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

Hans Fallada: „Warnung vor Büchern. Erzählungen und Berichte“ – Vorstellung und Gespräch mit dem Herausgeber Carsten Gansel

Moderation: Dr. Gundula Engelhard

Im Frühjahr hat der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel „Warnung vor Büchern“ herausgegeben und mit einem profunden Nachwort versehen. Der Band ermöglicht, Neues von Hans Fallada zu entdecken. Die hier versammelten Anekdoten, Berichte, Erzählungen und Reden, die von der Mitte der 1920er Jahre bis zu seinem Tod 1947 reichen, sind zum Teil wenig bekannt oder noch gänzlich unveröffentlicht. Sie offenbaren, in welchem Maße der Autor ein einzigartiges Gespür für soziale Problemlagen entwickelt, sensibel Wirklichkeit beobachtet und künstlerische Mittel findet, um mit wenigen Strichen welthaltige Geschichten zu entwerfen – humorig, ironisch, manchmal auch sarkastisch. Falladas Glaube an die „Anständigkeit des Menschen“ zeigt sich dabei jedoch stets unerschütterlich.

Carsten Gansel ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Univer­sität Gießen.

Ausschreibung für Uwe-Johnson-Preis 2020 startet

Für den mit 20.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage bis zum 13. März 2020 unveröffentlichte sowie seit April 2018 veröffentlichte Arbeiten aus den Bereichen Prosa und Essayistik einreichen. Der Uwe-Johnson-Preis würdigt deutschsprachige Autorinnen und Autoren, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihren Texten ebenso unbestechlich und jenseits der »einfachen Wahrheiten« deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 9. Oktober 2020, in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Berlin statt. Im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage in Neubrandenburg wird die Preisträgerin oder der Preisträger zudem vor einem breiten Publikum lesen. Eine weitere Lesung wird in Berlin stattfinden.

Vor zwei Jahren wurde der Uwe-Johnson-Preis Ralf Rothmann und seinem Roman »Der Gott jenes Sommers« zugesprochen. Zu den Preisträgern der letzten Jahre zählen Jan Koneffke (2016), Lutz Seiler (2014), Christoph Hein (2012), Christa Wolf (2010) und Uwe Tellkamp (2008). Seiler und Tellkamp erhielten kurz nach der Verleihung des Uwe-Johnson-Preises auch den Deutschen Buchpreis. »Wir sind gespannt, ob und in welcher Weise von jüngeren Autorinnen und Autoren Texte zur Einreichung kommen, die im Sinne von Uwe Johnson vereinfachte Formen der Wirklichkeitserkundung unterlaufen und mit ihren Texten die Leser dazu einladen, ihre ‚Version der Wirklichkeit‘ mit jener zu vergleichen, die sie „unterhalten und pflegen«, kommentiert Jurysprecher Carsten Gansel, Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen, die neuerliche Ausschreibung.

Der Uwe-Johnson-Preis wurde 1994 erstmals verliehen, Kurt Drawert (1994), Walter Kempowski (1995) und Marcel Beyer (1997) gehören zu den ersten Preisträgern. Der mit 20.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Preis wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. gemeinsam mit dem der Kanzlei Gentz und Partner mbB, Berlin und dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis vergeben. Der mit 5.000 Euro Preisgeld ausgelobte Uwe-Johnson-Förderpreis würdigt herausragende Debütromane. 2019 wurde Kenah Cusanit für ihren Roman »Babel« ausgezeichnet.

Vorschläge können bis zum 13. März 2020 bei der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg eingereicht werden.

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen finden Sie unter:

https://www.uwejohnsonpreis.de/2020/01/21/teilnahmebedingungen-uwe-johnson-preis/

 

Pressekontakt:

Luise Behr | Kirchner Kommunikation | Gneisenaustraße 85 | 10961 Berlin | Tel: 030/84 71 18 15 | behr@kirchner-pr.de

Teilnahmebedingungen Uwe-Johnson-Preis

Mit der Aufhebung der deutschen Teilung erfährt ein Schriftsteller besondere Aufmerksamkeit, der über Jahrzehnte als ein „Dichter der beiden Deutschland“ oder als „Autor der deutschen Teilung“ etikettiert worden war: Uwe Johnson. Ein Grund ist darin zu suchen, dass es ihm in seinen Werken immer um „die Grenze: den Unterschied: die Entfernung“ ging.

Die Grenzerfahrung bedeutete für Uwe Johnson auch den Versuch, das Auseinanderleben und das Fremdwerden der Deutschen zu erfassen und jeweils „die andere Seite mit ihren eigenen Augen“ zu sehen. Dabei ist Uwe Johnson mit Vergangenheit in einer Weise erzählerisch umgegangen, die ein Wiedererkennen er­mög­licht, auch und gerade obwohl er keine „Wirklichkeitsschaufelei“ betreibt.

Wahrheitsfindung, Erinnerungssuche, Gedächtnis, Trauerarbeit, Zeugenschaft, Dokumentation, Spurensuche, Grenzerfahrung – das sind nur einige Stichworte, mit denen Aspekte des Johnsonschen Werkes vereinfachend umschrieben werden können.

Die Spezifik von Johnsons Erzählkonzept hat eine Ursache in seinem Wissen, dass es eine – wie auch immer geartete – einfache Wahrheit nicht gibt. Aus eben diesem Wissen erklärt sich seine zurückhaltende Ein­ladung, die im Roman angebotene „Version der Wirklichkeit zu vergleichen mit jener, die Sie unter­halten und pflegen.“

Es geht also nicht nur um das Tolerieren des „unterschiedlichen Blicks“, sondern jener ist Grundlage moralischer und ästhetischer Existenz.

Preis

Mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den Uwe-Johnson-Preis und den Uwe-Johnson-Förderpreis in jährlichem Wechsel.

Bedingungen

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Arbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Arbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 13. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Dotierung

Der Uwe-Johnson-Preis ist mit 20.000 Euro, der Förderpreis mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklärt sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen und Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Berlin oder in Neubrandenburg statt, im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage wird außerdem eine Lesung der Preisträgerin/des Preisträgers in Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet.

Einreichung

Zur Teilnahme senden Sie die Titeleinreichungen bitte bis zum 1. März sowie

  • je 2 Exemplare der eingereichten Bücher
  • ein honorarfreies, druckfähiges digitales Autorenfoto (300 dpi)
  • eine druckfähige digitale Abbildung des Titelcovers (300 dpi)
  • Informationen zur Autorin/zum Autor und Werk
  • die vollständigen bibliografischen Daten

an folgende Adresse:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg

E-Mail für digitale Daten: pegasus-mlg@gmx.de

Für weitere Rückfragen steht Ihnen Frau Dr. Gundula Engelhard unter Telefon 0395 5 44 16 71 zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen Uwe Johnson Förderpreis

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den mit 5.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Förderpreis.

Mit dem Preis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Erstarbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Erstarbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 31. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Der Förderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklären sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage (in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin)
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Einreichung

Zur Teilnahme senden Sie die Titeleinreichungen bitte bis zum 1. März des Ausschreibungsjahres sowie

  • je 2 Exemplare der eingereichten Bücher
  • ein honorarfreies, druckfähiges digitales Autorenfoto (300 dpi)
  • eine druckfähige digitale Abbildung des Titelcovers (300 dpi)
  • Informationen zur Autorin/zum Autor und Werk
  • die vollständigen bibliografischen Daten

an folgende Adresse:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V.
2.Ringstraße 21
17033 Neubrandenburg

E-Mail für digitale Daten: pegasus-mlg@gmx.de

Die Ausschreibung endet jeweils zum in der Pressemitteilung der Ausschreibung angegebenen Zeitpunkt.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen udn Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Neubrandenburg im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage statt.

Kommunikation

Fester Bestandteil der Preisvergabe sind Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, Preis, Preisträgerin/Preisträger und Verlage in den Blickpunkt zu rücken. Dafür benötigen wir Exemplare des Gewinner-Titels.

Zudem wäre es im Sinne des Preises hilfreich, wenn Sie in der Titelwerbung auf den Uwe-Johnson-Preis hinweisen und Nominierte beziehungsweise Preisträgerinnen/Preisträger im Handel mit dem Uwe-Johnson-Logo (Sticker oder Banderole) auszeichnen würden. Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung.

Der Uwe-Johnson-Preis

Uwe Johnson

Mit der Aufhebung der deutschen Teilung erfährt ein Schriftsteller besondere Aufmerksamkeit, der über Jahrzehnte als ein „Dichter der beiden Deutschland“ oder als „Autor der deutschen Teilung“ etikettiert worden war: Uwe Johnson. Ein Grund ist darin zu suchen, dass es ihm in seinen Werken immer um „die Grenze: den Unterschied: die Entfernung“ ging.

Die Grenzerfahrung bedeutete für Uwe Johnson auch den Versuch, das Auseinanderleben und das Fremd­werden der Deutschen zu erfassen und jeweils „die andere Seite mit ihren eigenen Augen“ zu sehen. Dabei ist Uwe Johnson mit Vergangenheit in einer Weise erzählerisch umgegangen, die ein Wiedererkennen er­mög­licht, auch und gerade obwohl er keine „Wirklichkeitsschaufelei“ betreibt.

Wahrheitsfindung, Erinnerungssuche, Gedächtnis, Trauerarbeit, Zeugenschaft, Dokumentation, Spuren­suche, Grenzerfahrung – das sind nur einige Stichworte, mit denen Aspekte des Johnsonschen Werkes vereinfachend umschrieben werden können.

Die Spezifik von Johnsons Erzählkonzept hat eine Ursache in seinem Wissen, dass es eine – wie auch immer geartete – einfache Wahrheit nicht gibt. Aus eben diesem Wissen erklärt sich seine zurückhaltende Ein­ladung, die im Roman angebotene „Version der Wirklichkeit zu vergleichen mit jener, die Sie unter­halten und pflegen.“

Es geht also nicht nur um das Tolerieren des „unterschiedlichen Blicks“, sondern jener ist Grundlage moralischer und ästhetischer Existenz.

Preis

Mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den Uwe-Johnson-Preis und den Uwe-Johnson-Förderpreis in jährlichem Wechsel.

Bedingungen

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Arbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Arbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 2. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Dotierung

Der Uwe-Johnson-Preis ist mit 20.000 Euro, der Förderpreis mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklärt sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen und Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literatur­wissen­schaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Berlin oder in Neubrandenburg statt, im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage wird außerdem eine Lesung der Preisträgerin/des Preisträgers in Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet.

Fünf Fragen an Markus Frank