Teilnahmebedin-gungen Uwe-Johnson-Preis

Mit der Aufhebung der deutschen Teilung erfährt ein Schriftsteller besondere Aufmerksamkeit, der über Jahrzehnte als ein „Dichter der beiden Deutschland“ oder als „Autor der deutschen Teilung“ etikettiert worden war: Uwe Johnson. Ein Grund ist darin zu suchen, dass es ihm in seinen Werken immer um „die Grenze: den Unterschied: die Entfernung“ ging.

Die Grenzerfahrung bedeutete für Uwe Johnson auch den Versuch, das Auseinanderleben und das Fremdwerden der Deutschen zu erfassen und jeweils „die andere Seite mit ihren eigenen Augen“ zu sehen. Dabei ist Uwe Johnson mit Vergangenheit in einer Weise erzählerisch umgegangen, die ein Wiedererkennen er­mög­licht, auch und gerade obwohl er keine „Wirklichkeitsschaufelei“ betreibt.

Wahrheitsfindung, Erinnerungssuche, Gedächtnis, Trauerarbeit, Zeugenschaft, Dokumentation, Spurensuche, Grenzerfahrung – das sind nur einige Stichworte, mit denen Aspekte des Johnsonschen Werkes vereinfachend umschrieben werden können.

Die Spezifik von Johnsons Erzählkonzept hat eine Ursache in seinem Wissen, dass es eine – wie auch immer geartete – einfache Wahrheit nicht gibt. Aus eben diesem Wissen erklärt sich seine zurückhaltende Ein­ladung, die im Roman angebotene „Version der Wirklichkeit zu vergleichen mit jener, die Sie unter­halten und pflegen.“

Es geht also nicht nur um das Tolerieren des „unterschiedlichen Blicks“, sondern jener ist Grundlage moralischer und ästhetischer Existenz.

Preis

Mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den Uwe-Johnson-Preis und den Uwe-Johnson-Förderpreis in jährlichem Wechsel.

Bedingungen

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Arbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Arbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 13. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Dotierung

Der Uwe-Johnson-Preis ist mit 20.000 Euro, der Förderpreis mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklärt sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen und Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Berlin oder in Neubrandenburg statt, im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage wird außerdem eine Lesung der Preisträgerin/des Preisträgers in Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet.

Einreichung

Zur Teilnahme senden Sie die Titeleinreichungen bitte bis zum 13. März sowie

  • je 2 Exemplare der eingereichten Bücher
  • ein honorarfreies, druckfähiges digitales Autorenfoto (300 dpi)
  • eine druckfähige digitale Abbildung des Titelcovers (300 dpi)
  • Informationen zur Autorin/zum Autor und Werk
  • die vollständigen bibliografischen Daten

an folgende Adresse:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg

E-Mail für digitale Daten: pegasus-mlg@gmx.de

Für weitere Rückfragen steht Ihnen Frau Dr. Gundula Engelhard unter Telefon 0395 5 44 16 71 zur Verfügung.

Teilnahmebedingungen Uwe Johnson Förderpreis

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den mit 5.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Förderpreis.

Mit dem Preis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Erstarbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Erstarbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 31. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Der Förderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklären sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage (in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin)
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Einreichung

Zur Teilnahme senden Sie die Titeleinreichungen bitte bis zum 1. März des Ausschreibungsjahres sowie

  • je 2 Exemplare der eingereichten Bücher
  • ein honorarfreies, druckfähiges digitales Autorenfoto (300 dpi)
  • eine druckfähige digitale Abbildung des Titelcovers (300 dpi)
  • Informationen zur Autorin/zum Autor und Werk
  • die vollständigen bibliografischen Daten

an folgende Adresse:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V.
2.Ringstraße 21
17033 Neubrandenburg

E-Mail für digitale Daten: pegasus-mlg@gmx.de

Die Ausschreibung endet jeweils zum in der Pressemitteilung der Ausschreibung angegebenen Zeitpunkt.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen udn Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Neubrandenburg im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage statt.

Kommunikation

Fester Bestandteil der Preisvergabe sind Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, Preis, Preisträgerin/Preisträger und Verlage in den Blickpunkt zu rücken. Dafür benötigen wir Exemplare des Gewinner-Titels.

Zudem wäre es im Sinne des Preises hilfreich, wenn Sie in der Titelwerbung auf den Uwe-Johnson-Preis hinweisen und Nominierte beziehungsweise Preisträgerinnen/Preisträger im Handel mit dem Uwe-Johnson-Logo (Sticker oder Banderole) auszeichnen würden. Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung.

Kenah Cusanit erhält den Uwe-Johnson-Förderpreis 2019

„Kenah Cusanit erhält den Uwe-Johnson-Förderpreis 2019“ weiterlesen

2017 – Shida Bazyar. Förderpreisträgerin für das Romandebüt „Nachts ist es leise in Teheran“

Die Begründung der Jury

Aus der Geschichte der eigenen Familie schöpfend, gelingt es Shida Bazyar einen Ausschnitt von Welt zu zeigen, der vor dem Hintergrund konkreter historischer Ereignisse zentrale Fragen menschlichen Seins verhandelt. Offenbar wird – wie bei Uwe Johnson –, wie der Einzelne in die gesellschaftlichen Zeitläufe hineingezogen wird. Es geht um so existentielle Fragen wie Heimat und Heimatverlust, um Verrat und Zivilcourage, um Macht und Machtmissbrauch sowie den steten Kampf um Freiheit und Selbstbestimmtheit. Bei diesen Auseinandersetzungen mögen sich die Fronten, Methoden und Zielrichtungen historisch verändern, aber gleichwohl ist jede Generation aufs Neue aufgefordert, den eigenen Weg zu finden.

Da die Zeitspanne des Erzählten von der iranischen Revolution 1979 bis zu den Protesten gegen die Bildungspolitik in Deutschland 2009 reicht, geraten unterschiedliche Schauplätze und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den Blick. Dabei stehen die Geschichten von vier Familienmitgliedern – Eltern und Kindern – in der Abfolge von vier Jahrzehnten im Zentrum: 1979, 1989, 1999, 2009! Die als Ich-Erzähler agierenden Figuren erinnern sich, und es wird über die puzzleartigen Rückblicke offenbar, wie sich die Lebenswelten im Iran und in Deutschland annähern, obwohl die Realitäten der ›Daheimgebliebenen‹ und der ›Exilierten‹ gleichzeitig immer stärker auseinanderlaufen.

Nach den Geschichten der Eltern, Behsad und Nahid, finden sich die Stimmen von Laleh und Morad, den Kindern, die von ihrem selbstverständlichen Leben ›im deutschen Exil‹ erzählen, dem Einser-Abitur, dem Muster-Diplom, dem Bausparvertrag oder von Claus Klebers ZDF-Weltwissen und dem Befremden, wenn der Iran und die dort verbliebene Verwandtschaft ins Bild rücken.

Durch die gelungene Erzählkonstruktion wird ein mehrdimensionaler Blick auf die Geschichte(n) geworfen. Es wird ganz im Sinne von Uwe Johnson eine ›Version von Wirklichkeit‹ angeboten, die es nunmehr zu vergleichen gilt mit jener, die die Leser ›unterhalten und pflegen‹. Abgezielt wird auf den ›unterschiedlichen Blick‹ und die Fähigkeit, die ›andere Seite mit ihren Augen zu sehen‹. Shida Bazyar erhält den Uwe-Johnson-Förderpreis 2017, weil sie in ihrem Roman ›Nachts ist es leise in Teheran‹ ein vielfältiges Panorama des Daseins zwischen unterschiedlichen Welten entfaltet und dabei einfache Antworten vermeidet.

Die Laudation von Mithu Melanie Sanyal können Sie hier herunterladen.

Zum Buch

Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen. Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar die Geschichte einer iranisch-deutschen Familie, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. Von Behsad, dem jungen linken Revolutionär, der in der mutigen, literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebens findet. Von ihrer Flucht nach der Machtübernahme der Mullahs. Und von ihren Kindern, Laleh, Mo und Tara, die in Deutschland aufwachsen und zwischen den Welten zu Hause sind.
Ein bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit.

Zur Autorin

Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, bevor sie nach Berlin zog, um ein Doppelleben zu führen. Halbtags ist sie Bildungsreferentin für junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Brandenburg machen, die verbleibende Zeit verbringt sie als Autorin. Neben Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2012 und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung.

2015 – Mirna Funk. Förderpreisträgerin für ihren Debütroman „Winternähe“

2013 – Matthias Senkel. Förderpreisträger für seinen Debütroman „Frühe Vögel“

2011 – Judith Zander. Förderpreisträgerin für ihren Debütroman „Dinge, die wir heute sagten“

2009 – Thomas Pletzinger. Förderpreisträger für seinen Debütroman „Bestattung eines Hundes“

2007 – Emma Braslavsky. Förderpreisträgerin für ihren Debütroman „Aus dem Sinn“

2005 – Arno Orzessek. Förderpreisträger für seinen Debütroman „Schattauers Tochter“