Programm der Uwe-Johnson-Tage 2020

Die UWE JOHNSON-TAGE 2020 finden vom 24. September bis 29. Oktober statt.

Wir laden Sie herzlich ein zur Veranstaltungsreihe der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. und der Barlachstadt Güstrow gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB.

 

PROGRAMM (hier als PDF einsehbar)

Donnerstag, 24. September 2020, 19.30 Uhr Uwe Johnson-Bibliothek, Am Wall 2, 18273 Güstrow

Eröffnung der Uwe Johnson Tage 2020 durch DR. Gundula Engelhard, Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., und DR. Tilmann Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow

„Besondere Mischungsverhältnisse?“ – Uwe Johnson und die Deutschen in Ost und West vor und nach 1989 Gespräch und Romanlesung mit der Schriftstellerin Kathrin Gerlof sowie dem Verleger und Autor Tom Müller

Moderation: Dr. Tilmann Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek

Mit Kathrin Gerlof und Tom Müller sind nicht nur ein/e Vertreter/in der Vor- und Nachwendegeneration zu Gast, sondern als Journalistin eine aufmerksame Beobachterin des Zeitgeschehens und als Verleger ein profunder Kenner der Literaturlandschaft. Beachtung fanden beide auch mit ihren Romanen: Gerlofs „Nenn mich November“ wurde schon mit Johnsons „Mutmassungen über Jakob“ verglichen, Müllers Debütroman „Die jüngsten Tage“ für den aspekte Literaturpreis nominiert. Beide lesen aus ihren Romanen und sprechen über die „Mischungsverhältnisse“ und den Blick der Autoren auf die Deutschen vor und nach 1989.

 

Montag, 28. September 2020, 19.30 Uhr – Uwe Johnson-Bibliothek, Am Wall 2, 18273 Güstrow

„Babel“ – Lesung mit Kenah Cusanit, Uwe Johnson-Förderpreisträgerin 2019

Moderation: Dr. Tilmann Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek

Die Autorin schildert in ihrem Roman einen einzigen Tag im Leben von Robert Koldewey, der sich 1913 in der Nähe von Bagdad befindet. Koldewey agiert als Grabungsleiter des Ortes, der mit der Legende vom Turm zu Babel und vom Glanz Nebukadnezars aufgeladen ist.

Kenah Cusanit sucht sich ganz im Sinne von Walter Benjamin behutsam und umsichtig einer „verschütteten Vergangenheit“ zu nähern, um auf diese Weise – wie Uwe Johnson – unter die „äussere Kruste des Gewesenen“ zu gelangen. Mit ihrem Roman öffnet Kenah Cusanit einen in der Literatur selten betretenen historischen Raum, bei dem es um nicht weniger denn um eine neue Bewertung des Beitrags zur Zivilisation von Orient und Okzident geht.

 

Dienstag, 29. September 2020, 19.00 Uhr – Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

„Babel“ – Lesung mit Kenah Cusanit, Uwe Johnson-Förderpreisträgerin 2019

Moderation: Dr. Gundula Engelhard, Mecklenburgische Literaturgesellschaft

In der Begründung der Jury heißt es: „Von seinem Krankenlager aus blickt der Archäologe Robert Koldewey über den Euphrat, die immer mehr ausufernden Grabungen und denkt über Fragen von Wahrnehmung, Vergänglichkeit, Fotografie oder über die Größe der Frauen nach. Zunehmend wird dem Leser klar, dass hier zwischen akribisch verzeichneten Korrespondenzen und den burlesken Details zeitgenössischer Museumspolitik existenzielle Fragen des Menschseins verhandelt werden. In besonderer Weise gelingt es der Autorin historisches Wissen und Sprachkraft mit Witz und Humor zu verbinden.“

 

Dienstag, 6. Oktober 2020, 19.00 Uhr – Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

Tschingis Aitmatow zwischen Ost und West, Nord und Süd –Vortrag und Gespräch mit IRMTRAUD GUTSCHKE

Moderation: Dr. Gundula Engelhard, Mecklenburgische Literaturgesellschaft

Er war ein Schriftsteller von Weltgeltung, doch las man ihn in Dresden anders als in München, in Moskau anders als in der damaligen kirgisischen Hauptstadt Frunse, und in Scheker, dem Ort seiner Geburt, hatte man ein ganz eigenes Bild von ihm. Die Türkei hat ihn für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. In Kirgistan heute gilt er fast schon als Nationalheiliger. Was würde er davon halten? Wie sah er sich selbst inmitten so unterschiedlicher Ansprüche?

Irmtraud Gutschke promovierte 1976 nach dem Studium der Slawistik und Anglistik zum Thema „Mensch und Natur im Schaffen Tschingis Aitmatows“. Von Mitte der 1970er Jahre bis 2018 war sie Literaturredakteurin bei der Tageszeitung „Neues Deutschland“. 1986 veröffentlichte sie den Essayband „Menschheitsfragen, Märchen, Mythen. Zum Werk Aitmatows“. Später folgten drei erfolgreiche Gesprächsbände: „Hermann Kant. Die Sache und die Sachen“, „Eva Strittmatter. Leib und Leben“ und „Gisela Steineckert. Das Leben hat was“.

 

Freitag, 9. Oktober 2020, 18.00 Uhr – Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund, In den Ministergärten 3, Berlin

 Verleihung des Uwe Johnson-Literaturpreises an IRINA LIEBMANN für ihren Roman „Die Große Hamburger Straße“

Laudatio: Jens Sparschuh, Schriftsteller, Berlin

Verleihung des Preises durch Markus Frank, Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB; Carsten Gansel, Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., und Katrin Raczynski, Vorstand Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg KdöR

 

Montag, 12. Oktober 2020, 19.00 Uhr – Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg

 „Wir selbst“ von Gerhard Sawatzky –Lesung und Gespräch mit Prof. Dr. Carsten Gansel

Moderation: Dr. Gundula Engelhard, Mecklenburgische Literaturgesellschaft

Gerhard Sawatzkys großer Gesellschaftsroman „Wir selbst“ (1938/2020) erzählt von einer untergegangenen Welt, von der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (1918–1941). Sein Autor galt als wichtigster Literat der Wolgadeutschen, er wurde verhaftet, zu Zwangsarbeit verurteilt und starb in einem Lager in Sibirien, das Buch wurde verboten und vernichtet. Doch seiner Witwe gelang es 1944, bei der Deportation nach Sibirien das Urmanuskript zu retten. In einer deutschsprachigen Zeitschrift in der Sowjetunion wurden – allerdings be­arbeitet und zensiert – in den achtziger Jahren Teile des Buches abgedruckt. Carsten Gansel hat nun das Urmanuskript in Russland aufgespürt. Sawatzkys Buch ist ein höchst bedeutendes Zeitzeugnis, das zudem durch Carsten Gansels umfangreiches Nachwort über den Autor, die Geschichte des Manuskripts und die deutsche Wolgarepublik ergänzt und erschlossen wird.

 

Mittwoch, 14. Oktober 2020, 19.00 Uhr – Stadtarchiv, Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße), 17033 Neubrandenburg

Buchpremiere: „Beichte. Ein Lebensbericht“ von Werner Lindemann – Gitta Lindemann und Herausgeber Carsten Gansel stellen den Text aus dem Nachlass des Autors vor.

„Beichte“ ist das erste Buch der neuen Reihe „Literarische Entdeckungen“ beim OKAPI Verlag Berlin. Werner Lindemann gehörte in der DDR zu den renommierten Autoren, der vor allem durch seine Lyrik für Kinder einen großen Leser- und Fankreis erreichte. Neben zahlreichen Lyrikbänden entstand in den 1980er Jahren auch Prosa, darunter die Geschichtensammlungen „Aus dem Drispether Bauernhaus“ und „Die Roggenmuhme“. 1988 erschien „Mike Oldfield im Schaukelstuhl. Notizen eines Vaters“.

Die autobiographisch grundierte Geschichte „Beichte“ führt die Leser zurück in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges und die ersten Monate des Friedens. Das Erzählen wechselt zwischen Erinnerungen an die Kindheit, an die Schrecknisse des Krieges sowie den Zeiten des Neuanfangs. Dieser Teil der Erzählung zeichnet den Weg des jungen Will bis zum Studium nach. Der Band wird ergänzt durch ein umfangreiches Gespräch mit Gitta Lindemann.

 

Donnerstag, 22. Oktober 2020, 19.00 Uhr – Stadtarchiv, Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße), 17033 Neubrandenburg

„Wie ich meine Zeitung verlor: Ein Jahrebuch“ –Lesung und Gespräch mit Birk Meinhardt

Moderation: Prof. Dr. Carsten Gansel, Mecklenburgische Literaturgesellschaft

Birk Meinhardt, geboren 1959 in Berlin-Pankow, studierte Journalistik in Leipzig und war Sportjournalist (u.a. „Wochenpost“, „Junge Welt“, „Tagesspiegel“) und von 1992 bis 1996 bei der „Süddeutschen Zeitung“. Für Letztere schrieb er von 1996 bis 2012 Reportagen, die auf der wichtigen Seite 3 erschienen und für die er 1999 und 2001 mit dem Kisch-Preis ausgezeichnet wurde. Seit 2013 ist er freiberuflich und lebt er als Schriftsteller in Berlin. Für seinen Roman „Brüder und Schwestern. Die Jahre 1973 bis 1989“ erhielt er den Stahl-Literaturpreis 2013 und wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Der zweite Teil, „Brüder und Schwestern. Die Jahre 1989 bis 2001“, erschien 2017.

Birk Meinhardts „Jahrebuch“ gibt Einblick in das Funktionieren einer großen deutschen Tageszeitung. Er erzählt davon, wie nach erfolgreichen Jahren eine zunehmende Entfremdung entsteht, die ihre Ursache nicht zuletzt darin hat, dass das Spektrum der Meinungsäußerungen enger zu werden scheint. Meinhardts Text liefert eine kritische Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Entwicklungen.

 

Donnerstag, 29. Oktober 2020, 19.00 Uhr – Stadtarchiv, Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße), 17033 Neubrandenburg

„Der Schmerz des Westens. Deutschlands systemisches Erbe“ – Lesung und Gespräch mit Detlef Stapf

Moderation: Prof. Dr. Carsten Gansel, Mecklenburgische Literaturgesellschaft

Detlef Stapf war mehr als zwei Jahrzehnte Feuilletonchef des „Nordkurier“. Er ist ein ausgewiesener Kenner der Bildenden Kunst. Im Vorjahr erschien von ihm die erste große Biographie zu Caspar David Friedrich, die als Ereignis bezeichnet wurde. „Endlich wissen wir, wer der ,Wanderer über dem Nebelmeer‘ auf Caspar David Friedrichs Gemälde ist und wofür das ,Kreuz im Gebirge‘ eigentlich gedacht war.“ (Frank Pergande, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

In seinem Essay „Der Schmerz des Westens“ versucht Detlef Stapf im 30. Jahr der deutschen Einheit eine systemtheoretische Anatomie des Vereinigungsprozesses. Dabei wird die ostdeutsche Gesellschaft nicht als Problem, sondern eher als reaktives Gebilde westdeutscher Politik betrachtet. Der Text reicht weit über die üblichen Erklärungsstereotype hinaus, weil er die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Teilgesellschaften in ein historisches Kontinuum bettet und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Demokratie in den Blick nimmt.

 

Die Mecklenburgische Literaturgesellschaft und die Barlachstadt Güstrow danken dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dem Kulturamt der Stadt Neubrandenburg, dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB für die Förderung der Uwe-Johnson-Tage.

© Maximilian Merz

Irina Liebmann erhält den Uwe-Johnson-Preis 2020

Der mit 20.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Preis 2020 wird Irina Liebmann für ihren Roman »Die Große Hamburger Straße« (Schöffling & Co.) verliehen. Die sechsköpfige Jury wählte aus einer Vielzahl an eingesandten Texten aus den Bereichen Prosa und Essayistik die diesjährige Preisträgerin aus. Die feierliche Preisverleihung findet im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage am Freitag, dem 9. Oktober 2020, in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern in Berlin statt.

Die Jury begründet ihre Entscheidung für Irina Liebmann folgendermaßen:

Gedächtnis und Erinnerung sind zentrale Achsen im Gesamtwerk von Irina Liebmann, in dem es nach Reportagen und Hörspielen mit „Berliner Mietshaus“ (1982) ein vielbeachtetes Prosadebüt gab. Von Beginn an ging es ihr darum zu erzählen, „wie etwas wirklich ist“. Damit waren schon früh Koordinaten für eine Poetologie gelegt, die Bezüge zu der von Uwe Johnson haben. Es geht nämlich immer auch darum, „Herkunft, kenntlich zu machen“ und „in Kenntnis (zu) leben“. Dazu hat Irina Liebemann sich immer wieder auf eine akribische Spurensuche begeben. Für den Roman „In Berlin“ hatte sie einen Erzählton gefunden, der es möglich machte, die inneren und äußeren Bewegungen vor und nach 1989 zusammenzubinden. Nun schließt sich der Kreis dieses einzigartigen Schreibprojekts mit dem Roman „Die Grosse Hamburger Strasse“. Irina Liebmann hat in diesem Text ein Prosa-Netz entworfen, in dem unterschiedliche Zeitebenen kunstvoll miteinander in Verbindung gebracht werden, die Spanne reicht vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Über Adressbuchauszüge, Straßenpläne, eigene Tagebuchnotizen, Protokolle, Traumsequenzen, Reime, Metaphern werden Töne in Moll und Dur angeschlagen und Zeit-Schwingungen erzeugt, die Vergangenes und Gegenwärtiges verbinden. Entstanden ist ein Roman in Bildern, und mitunter ähnelt die Sprache einem Prosagedicht. Die Leser, die durch Anreden direkt einbezogen sind, stehen wie die Autorin vor der Frage: „Wie kam das? Was war denn der Weg bis hierher?“ Gemeint sind die Schicksale jener, die in der „Grossen Hamburger“ gelebt haben und die wie etwa die jüdischen Bürger, „Berliner wie wir“, ab 1942 in die Todeslager deportiert wurden. Behutsam und wie eine Archäologin trägt Irina Liebmann Zeitschichten ab, und sie lässt dabei auch jene zu Wort kommen, die sich heute noch erinnern wollen. Jahrzehnte liegen dazwischen. Im Heute erinnert eine nunmehr alte Frau an das Traumatische der Vergangenheit, das „Herzeleid“ und betont, was gegen die Angst geholfen hat: „Lesen. Nur Lesen.“ Irina Liebmann ist das Gegenteil einer planlos umherschweifenden Flaneurin. Sie hat sich – angefangen mit Notizen für ein Romanprojekt aus den frühen 1980er Jahren – dem Stoff immer wieder genähert, und sie ist dafür zurückgekehrt in diese Straße. Sie weiß daher um die Schrecknisse der Vergangenheit und um die Geschichten von Hoffnung und Verrat. Aber es reicht das Anschlagen einer Taste, wie auf einem Klavier, um Denk-Räume zum Klingen zu bringen: Der Berliner Verlag, „`Gavroche` von Victor Hugo“, „`Feuertaufe` von diesem Gaidar“, Hitler, die deutschen Juden, „Mephisto in Moskau“! Irina Liebmann hat lange nach einem Weg gesucht, um das Material zu einer Geschichte zu formen. Und vielleicht war es letztlich so, wie bei Uwe Johnson: „Die Geschichte sucht, sie macht sich ihre Form selber“.

Der Jury gehören an: Carsten Gansel, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen (Sprecher); Gundula Engelhard, Geschäftsführerin der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft; Michael Hametner, ehemals leitender Literaturredakteur und Moderator bei MDR FIGARO; Thomas Hummitzsch, freier Kritiker; René Strien, ehemaliger Geschäftsführer des Aufbau Verlages und seit 2018 Geschäftsführer des OKAPI Verlages Berlin; und Almut Thölking-Baulig, Leiterin der Kulturredaktion im NDR Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern.

Foto: Maximilian Merz

 

Ausschreibung für Uwe-Johnson-Preis 2020 startet

Für den mit 20.000 Euro dotierten Uwe-Johnson-Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage bis zum 13. März 2020 unveröffentlichte sowie seit April 2018 veröffentlichte Arbeiten aus den Bereichen Prosa und Essayistik einreichen. Der Uwe-Johnson-Preis würdigt deutschsprachige Autorinnen und Autoren, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihren Texten ebenso unbestechlich und jenseits der »einfachen Wahrheiten« deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 9. Oktober 2020, in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Berlin statt. Im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage in Neubrandenburg wird die Preisträgerin oder der Preisträger zudem vor einem breiten Publikum lesen. Eine weitere Lesung wird in Berlin stattfinden.

Vor zwei Jahren wurde der Uwe-Johnson-Preis Ralf Rothmann und seinem Roman »Der Gott jenes Sommers« zugesprochen. Zu den Preisträgern der letzten Jahre zählen Jan Koneffke (2016), Lutz Seiler (2014), Christoph Hein (2012), Christa Wolf (2010) und Uwe Tellkamp (2008). Seiler und Tellkamp erhielten kurz nach der Verleihung des Uwe-Johnson-Preises auch den Deutschen Buchpreis. »Wir sind gespannt, ob und in welcher Weise von jüngeren Autorinnen und Autoren Texte zur Einreichung kommen, die im Sinne von Uwe Johnson vereinfachte Formen der Wirklichkeitserkundung unterlaufen und mit ihren Texten die Leser dazu einladen, ihre ‚Version der Wirklichkeit‘ mit jener zu vergleichen, die sie „unterhalten und pflegen«, kommentiert Jurysprecher Carsten Gansel, Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen, die neuerliche Ausschreibung.

Der Uwe-Johnson-Preis wurde 1994 erstmals verliehen, Kurt Drawert (1994), Walter Kempowski (1995) und Marcel Beyer (1997) gehören zu den ersten Preisträgern. Der mit 20.000 Euro dotierte Uwe-Johnson-Preis wird von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. gemeinsam mit dem der Kanzlei Gentz und Partner mbB, Berlin und dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg im jährlichen Wechsel mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis vergeben. Der mit 5.000 Euro Preisgeld ausgelobte Uwe-Johnson-Förderpreis würdigt herausragende Debütromane. 2019 wurde Kenah Cusanit für ihren Roman »Babel« ausgezeichnet.

Vorschläge können bis zum 13. März 2020 bei der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg eingereicht werden.

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen finden Sie unter:

https://www.uwejohnsonpreis.de/2020/01/21/teilnahmebedingungen-uwe-johnson-preis/

 

Pressekontakt:

Luise Behr | Kirchner Kommunikation | Gneisenaustraße 85 | 10961 Berlin | Tel: 030/84 71 18 15 | behr@kirchner-pr.de

Teilnahmebedin-gungen Uwe-Johnson-Preis

Mit der Aufhebung der deutschen Teilung erfährt ein Schriftsteller besondere Aufmerksamkeit, der über Jahrzehnte als ein „Dichter der beiden Deutschland“ oder als „Autor der deutschen Teilung“ etikettiert worden war: Uwe Johnson. Ein Grund ist darin zu suchen, dass es ihm in seinen Werken immer um „die Grenze: den Unterschied: die Entfernung“ ging.

Die Grenzerfahrung bedeutete für Uwe Johnson auch den Versuch, das Auseinanderleben und das Fremdwerden der Deutschen zu erfassen und jeweils „die andere Seite mit ihren eigenen Augen“ zu sehen. Dabei ist Uwe Johnson mit Vergangenheit in einer Weise erzählerisch umgegangen, die ein Wiedererkennen er­mög­licht, auch und gerade obwohl er keine „Wirklichkeitsschaufelei“ betreibt.

Wahrheitsfindung, Erinnerungssuche, Gedächtnis, Trauerarbeit, Zeugenschaft, Dokumentation, Spurensuche, Grenzerfahrung – das sind nur einige Stichworte, mit denen Aspekte des Johnsonschen Werkes vereinfachend umschrieben werden können.

Die Spezifik von Johnsons Erzählkonzept hat eine Ursache in seinem Wissen, dass es eine – wie auch immer geartete – einfache Wahrheit nicht gibt. Aus eben diesem Wissen erklärt sich seine zurückhaltende Ein­ladung, die im Roman angebotene „Version der Wirklichkeit zu vergleichen mit jener, die Sie unter­halten und pflegen.“

Es geht also nicht nur um das Tolerieren des „unterschiedlichen Blicks“, sondern jener ist Grundlage moralischer und ästhetischer Existenz.

Preis

Mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis sollen deutschsprachige Autorinnen und Autoren gefördert werden, in deren Schaffen sich Bezugspunkte zu Johnsons Poetik finden und die heute mit ihrem Text ebenso unbestechlich und jenseits der „einfachen Wahrheiten“ deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren.

Der Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V. verleiht gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Kanzlei Gentz und Partner den Uwe-Johnson-Preis und den Uwe-Johnson-Förderpreis in jährlichem Wechsel.

Bedingungen

Für den Preis können Autorinnen und Autoren oder deren Verlage in Abstimmung mit den betreffenden Autorinnen und Autoren veröffentlichte und unveröffentlichte Arbeiten (Prosa/Essayistik) einreichen. Veröffentlichte Arbeiten müssen in den vom Ausschreibungsjahr ausgehend zurückliegenden zwei Jahren (nach dem 13. März) erschienen sein.

Um ein möglichst breites Spektrum literarischer Leistungen im Sinne dieser Satzung in die Auswahl preiswürdiger Texte einzubeziehen, kann das Kuratorium Arbeiten aus aktuellen Verlagsproduktionen vorschlagen.

Dotierung

Der Uwe-Johnson-Preis ist mit 20.000 Euro, der Förderpreis mit 5.000 Euro dotiert. Der Betrag wird in einer einmaligen Zuwendung geleistet.

Verpflichtung des Autors

Die Autorin bzw. der Autor erklärt sich über den Zeitraum von einem Jahr zu folgenden Leistungen bereit:

  • Publizistische Auswertung des Preises (Autorenporträt, Interview, Besprechung).
  • Zwei unentgeltliche Lese-Tage in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
  • Die Preisträgerin bzw. der Preisträger stellt seine Dankesrede zur Verfügung, die von den Preisstiftern publiziert wird.

Auswahlverfahren

Nach Sichtung aller eingereichten Titel kann die Jury weitere Titel in die Auswahl einbeziehen. Die Jurorinnen und Juroren sowie das Kuratorium sind zur Vertraulichkeit verpflichtet.

Die Preisvergabe erfolgt durch ein Kuratorium. Der Laureat bzw. die Laureatin wird dem Kuratorium durch eine Jury aus Autorinnen und Autoren, Publizistinnen und Publizisten sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern vorgeschlagen. Die abschließende Entscheidung trifft das Kuratorium.

Preisverleihung

Die Preisverleihung findet in Berlin oder in Neubrandenburg statt, im Rahmen der Uwe–Johnson-Tage wird außerdem eine Lesung der Preisträgerin/des Preisträgers in Mecklenburg-Vorpommern veranstaltet.

Einreichung

Zur Teilnahme senden Sie die Titeleinreichungen bitte bis zum 13. März sowie

  • je 2 Exemplare der eingereichten Bücher
  • ein honorarfreies, druckfähiges digitales Autorenfoto (300 dpi)
  • eine druckfähige digitale Abbildung des Titelcovers (300 dpi)
  • Informationen zur Autorin/zum Autor und Werk
  • die vollständigen bibliografischen Daten

an folgende Adresse:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V., 2. Ringstraße 21, 17033 Neubrandenburg

E-Mail für digitale Daten: pegasus-mlg@gmx.de

Für weitere Rückfragen steht Ihnen Frau Dr. Gundula Engelhard unter Telefon 0395 5 44 16 71 zur Verfügung.

Programm der Uwe-Johnson-Tage 2019

Die UWE-JOHNSON-TAGE 2019 finden vom 19. September bis zum 22. Oktober 2019 statt.

Wir laden Sie herzlich ein zur Veranstaltungsreihe der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e.V. und der Barlachstadt Güstrow gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB.

PROGRAMM (hier als pdf-Datei)

19. SeptemberRegionalbibliothek/Marktplatz 1/Neubrandenburg – 19.00 Uhr
„Meinst Du, die Russen wollen …? – Ein Moskauer Tagebuch“ – Lesung und Gespräch
mit CARSTEN GANSEL
Seit vielen Jahren führen Carsten Gansel Lehraufträge und Archivstudien in russische Städte. ‚Erinnerungskultur und Literatur‘ bildet einen seiner Forschungsschwerpunkte. Sein 2018 erschienenes Moskauer Tagebuch fand in Lesungen und Diskussionen ein großes Echo. In den vergangenen Monaten war der Literaturwissenschaftler wiederum mehrfach in Russland, u.a. in St. Petersburg und Kasan, und konnte sich einmal mehr ein eigenes Bild von den Verhältnissen jenseits der „einfachen Wahrheiten“ (Uwe Johnson) machen. Der Professor für Neuere deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Univer­sität Gießen wird über diese neuen Erfahrungen und Eindrücke berichten.

23. September Regionalbibliothek/Marktplatz 1/Neubrandenburg – 19.00 Uhr
Eröffnung der Uwe-Johnson-Tage 2019
durch PROF. CARSTEN GANSEL, Vorsitzender der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft, und DR. TILMANN WESOLOWSKI, Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow
THOMAS BRASCH: BLEIBEN WILL ICH, WO ICH NIE GEWESEN BIN
Collage für zwei Sprecher (Texte / Szenen / Film)
Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin
– das ist die letzte Zeile eines der bekanntesten Gedichte von Thomas Brasch. Und es ist eine Schlüsselzeile für den Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher. Geboren im englischen Exil der jüdisch-kommunistischen Eltern, aufgewachsen und renitent geworden in der DDR, die er 1976 verließ, kam er auch in der BRD nie an, und erst recht nicht im vereinten Deutschland. In seinen Gedichten, Theaterstücken und Filmen konfrontiert er scharfsinnig, kraftvoll und originell gesellschaftliche Widersprüche in einer Dringlichkeit, die aktueller ist denn je.
In ihrem Debütroman „Ab jetzt ist Ruhe“ erzählt MARION BRASCH die Geschichte ihrer Familie. Jetzt rückt sie ihren großen Bruder Thomas in den Mittelpunkt. Wonach hat er sich gesehnt und woran gerieben? Was trieb ihn weg von seiner Familie und schließlich aus seinem Land? In einer Collage aus Text, Szenen und Film hat sie diese Fragen zu einer Geschichte verwoben, die sie gemeinsam mit ANDREAS KELLER vom Schauspiel Leipzig auf die Bühne bringt.

24. September – Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow/Am Wall 2/Güstrow – 19.30 Uhr
„Der Gott jenes Sommers“ –
Lesung und Gespräch mit dem
Johnson-Preisträger RALF ROTHMANN
In seinem Roman schafft es Rothmann, sprachfein und bildgewaltig, mithilfe seiner jugendlichen Protagonistin, die Alltagsgräuel des Krieges einzufangen, welche auch die Überlebenden zu Kriegsopfern machten. Die Jury des Johnson-Preises begründete: „Ralf Rothmanns Kunst besteht darin, dem Individuum Rechnung zu tragen und es zugleich in den gesellschaftlichen Zeitläuften zu verorten, in die es – oft gegen seinen Willen – hineingezogen wird. Das impliziert neben dem Realismus des Erzählens, wie bei Uwe Johnson, die Wort für Wort artikulierte Hoffnung: Das private und allgemeine Verhängnis dürfen nicht das letzte Wort behalten.“

24 September Stadtarchiv/Marktplatz 1/Neubrandenburg 19.00 Uhr
Stützen des Gedächtnisses – Flügel der Fantasie. Gundermann
Lesung und Gespräch mit der Drehbuchautorin LAILA STIELER und dem Herausgeber ANDREAS LEUSINK Moderation: Prof. Carsten Gansel
Im Vorwort schreibt Andreas Leusink: „Mit diesem Lesebuch möchten seine Autoren, Fotografen und der Heraus­geber eine Biografie vorstellen. Ganz und gar nicht vollständig … eher mäandernd“ Das Buch Gundermann. Von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse… enthält viele bisher unveröffentlichte Texte und Fotos, Briefe und Erinnerungen, Dokumente und Interviews. Zugleich gibt es einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des großen Kinofilms GUNDERMANN, der neu auf ein verschwundenes Land blickt.

26. September Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow/Am Wall 2/Güstrow 19.30 Uhr
„Die Hungrigen und die Satten“
Lesung und Gespräch mit Timur Vermes
In „Er ist wieder da“ ließ der Autor Hitler auferstehen und legte mit der bitterbösen und mittlerweile verfilmten Satire eines der erfolgreichsten deutschen Debüts vor – nun ist Timur Vermes wieder da und mit nicht minder schwarzhumoriger Satire. In seinem neuen Werk „Die Hungrigen und die Satten“ wandern hunderttausende afrikanische Flüchtlinge nach Deutschland, angeführt von einer TV-Moderatorin und als Fernsehspektakel vom Wohlstandspublikum quotenstark verfolgt.

27. September Schauspielhaus/Probebühne/Pfaffenstr. 22/Neubrandenburg 19.00 Uhr
Verleihung des Uwe-Johnson-Förderpreises an KENAH CUSANIT für ihren Roman „Babel“
Laudatio: KATHARINA BORCHARDT, Literaturredakteurin beim Südwestrundfunk (SWR2), Baden-Baden
Verleihung des Preises durch:
MARKUS FRANK, Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB
Carsten Gansel, Mecklenburgische Literaturgesellschaft und
KATRIN RACZYNSKI, Vorstand des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg KdöR
Lesung und Gespräch mit KENAH CUSANIT Moderation: MICHAEL HAMETNER, ehemals leitender Literaturredakteur und Moderator bei MDR FIGARO

Wir bitten um Anmeldung.

1. Oktober Regionalbibliothek/Marktplatz 1/Neubrandenburg 19.00 Uhr
Kassandra. Inszenierung des Turmalintheaters nach Christa Wolf
Die Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer macht als „KASSANDRA“ eine über dreitausendjährige Geschichte beeindruckend sichtbar. Sie entwirft ein facettenreiches Bild griechischer Geschichte und Mythologie.
Als Kriegsbeute des Griechenkönigs Agamemnon wartet Kassandra auf ihren Tod. Sie erinnert sich an die Ereignisse um den Krieg in Troja, an ihre Bemühungen in dieser Vorkriegs- und Kriegszeit als Troerin, als Mensch, als Frau zu leben. Sie schildert das Patriarchat in seinen subtilsten und grausamsten Formen, wie Frauen zum Objekt gemacht werden, wie allmählich ein Feindbild entsteht, wie Konflikte emotionalisiert werden, wie der männliche Begriff der Ehre schließlich den Krieg unvermeidlich werden lässt …
Ein zeitlos-aktuelles Stück über die Entdeckung der eigenen Kraft, der Freiheit im Widerstand gegen Blendung und Betrug. Die eigens für die Bühne geschaffene und von Christa Wolf autorisierte Textfassung stammt von Günter Bauer, der auch Regie führt.

22. Oktober Regionalbibliothek/Marktplatz 1/Neubrandenburg 19.00 Uhr
Biometrie/Chronologie
– Lesung und Gespräch mit THOMAS FINDEISS
Moderation: Dr. Gundula Engelhard
Die ersten beiden Romane von Thomas Findeiss Holy Days und Die Heimat der Schneestürme erschienen in den späten Neunzigern im Verlag Volk & Welt Berlin, dem wichtigsten Verlag für internationale Literatur und zweitgrößten belletristischen Verlag der DDR. Nach dem Verschwinden des Verlags (2001) und seinem Studium an der deutschen Film- und Fernsehakademie arbeitete Thomas Findeiss als Saxophonist in Bands und als Studiomusiker – und hörte nicht auf zu schreiben: Reise-Reportagen, Drehbücher, Romane und immer wieder Gedichte. Der Autor wird aus unveröffentlichten Texten lesen.

Die Mecklenburgische Literaturgesellschaft und die Barlachstadt Güstrow danken dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dem Kulturamt der Stadt Neubrandenburg, dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und Gentz und Partner Rechtsanwälte Steuerberaterin mbB für die Förderung der Uwe-Johnson-Tage.

Kenah Cusanit erhält den Uwe-Johnson-Förderpreis 2019

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Ausschreibung für den Uwe-Johnson-Förderpreis 2019 startet

Hier finden Sie weitere Informationen zum Uwe-Johnson-Förderpreis und den Teilnahmebedingungen.

Ausschreibung für Uwe-Johnson-Preis 2018 startet