Programm der Uwe Johnson-Tage 2026

Die UWE JOHNSON-TAGE 2026 

finden vom 14. September bis zum 30. November statt.

„Da die Geschichte einem ja das Haus zertrümmert…“ – Uwe Johnson und die Perspektive der ‚einfachen Leute‘

Wir laden Sie herzlich ein zur Veranstaltungsreihe der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft e. V. und der Barlachstadt Güstrow gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und der Gentz und Partner Rechtsanwälte und Notare mbB, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg.

PROGRAMM

(hier als PDF abrufbar)


Montag 14. September 2026

Stadtarchiv
Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße) | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
Eröffnung der Uwe Johnson Tage 2026
durch PROF. DR. CARSTEN GANSEL,
Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V.,
und DR. TILMANN WESOLOWSKI,
Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow

„Spur und Abweg“ – Lesung und Gespräch
mit KURT TALLERT,
Uwe Johnson-Förderpreisträger 2025
Moderation: CARSTEN GANSEL

Wie ist es, als Sohn eines von den Nazis verfolgten Vaters zwischen den Enkeln von Tätern aufzuwachsen? – Der Vater wurde als junger Mann von den Nazis als „Halbjude“ verfolgt. Er ist bei der Geburt seines Sohnes 58 Jahre alt und stirbt zwölf Jahre später. Schon als Schüler muss der Sohn erfahren: Was für weite Teile seiner Generation Schulbuchvergangenheit ist, ist für ihn lebendig, die Geschichte seines Vaters, der Journalist wird und Mitglied des Bundestags. Und der doch ein Leben lang seinen Platz sucht. Vergangenheit trifft hier ungeschnitten auf Gegenwart, Überliefertes auf Verdrängtes, Erlebtes auf Erinnertes.

KURT TALLERT (Jahrgang 1986) erzählt die Geschichte seines Vaters – und seine eigene. Für sein literarisches Debüt „Spur und Abweg“ erhielt der Autor, der auch als DJ Retrogott bekannt ist, 2025 den Uwe Johnson-Förderpreis.

Dienstag 15. September
Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow
Am Wall 2 | 18273 Güstrow
19.30 Uhr
„Spur und Abweg“ – Lesung und Gespräch
mit KURT TALLERT, Uwe Johnson-Förderpreisträger 2025,
Moderation: TILMANN WESOLOWSKI

„KURT TALLERT füllt beim Erzählen Leerstellen der Vergangenheit und wählt Abwege der Erinnerung, um der Spur seines Vaters folgen zu können. Die Spur verläuft quer durch die Gegenwart. Dabei erinnert die Suche an Uwe Johnsons ›Versuch, einen Vater zu finden‹. Nur geht es in diesem Fall um den Zivilisationsbruch, dem der Vater als Siebzehnjähriger ausgesetzt war.“ (Aus der Begründung der Jury für die Verleihung des Uwe Johnson-Förderpreises 2025)

Donnerstag 17. September
Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow
Am Wall 2 | 18273 Güstrow
19.30 Uhr
„Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ – Lesung und Gespräch
mit ALENA SCHRÖDER,
Moderation: TILMANN WESOLOWSKI

Das Waisenmädchen Marlen entkommt 1945 russischen Soldaten und wird in Güstrow von der Malerin Wilma aufgenommen, entwickelt sich selbst zur Malerin. Als 1989 die Mauer fällt, geht sie nach Berlin, trifft die Ärztin Evelyn und ihre Enkelin Hannah. Sie wird als Erwachsene 2023 immer wieder die Familiengeschichte reflektieren. Die Frauen ringen um die Hoheit über ihre Biografien – hier scheint Uwe Johnsons Frage nach dem Menschlich-Bleiben in Zeiten von Unmenschlichkeiten und die Bedeutung der Vergangenheit für die Familiengeschichte durch. Ein Epos zwischen den 1920er Jahren, Nachkriegszeit, DDR, Nachwende und Gegenwart.

ALENA SCHRÖDER, geboren 1979, arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie hat Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego studiert und die Henri-Nannen-Schule besucht. Nach einigen Jahren in der Brigitte-Redaktion arbeitet sie heute frei u.a. als Brigitte-Kolumnistin. Gemeinsam mit Till Raether spricht sie in ihrem Podcast sexy und bodenständig über das Schreiben.

Freitag 18. September
Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
In den Ministergärten 3 | 10117 Berlin
18.00 Uhr
Verleihung des Uwe Johnson-Preises
an INGO SCHULZE für seinen Roman „Das Wasser im August“
Laudatio: FRIEDHELM MARX, Universität Bamberg
Verleihung des Preises durch
CARSTEN GANSEL, Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V.;
KATRIN RACZYNSKI, Vorstand Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg KdöR, und
MARKUS FRANK, Gentz und Partner Rechtsanwälte und Notare mbB

Freitag 24. September
Frau Rilke Buchladen
Strelitzer Straße 11 | 17235 Neustrelitz
19.30 Uhr
„Verlage stellen sich vor: Der Verbrecher Verlag“ – Gespräch
mit JÖRG SUNDERMEIER und
KRISTINE LISTAU,
Moderation: KATHRIN MATERN

Der Verbrecher Verlag wurde vor mehr als 30 Jahren in Berlin gegründet. Das Programm überzeugt durch gesellschaftlich relevante Themen, durch ins Auge stechende Cover, durch gute Autor:innen. Neben vergessenen Literaturstimmen setzt er sich auch für junge Talente ein und wurde mit dem Verlagspreis ausgezeichnet. Doch wie macht man gute Bücher? Wie finanziert man sie? Wo spürt man die Themen auf?

Buchhändlerin KATHRIN MATERN wagt einen besonderen Blick hinter die Kulissen mit den Verlegern JÖRG SUNDERMEIER und KRISTINE LISTAU.

Donnerstag 1. Oktober
Frau Rilke Buchladen
Strelitzer Straße 11 | 17235 Neustrelitz
19.00 Uhr
„Selbstregulierung des Herzens“ – Lesung und Gespräch
mit PEGGY MÄDLER,
Moderation: KATHRIN MATERN

Ein Dorf in der Nähe von Wandlitz, wo seltsame geheime Bautätigkeiten beginnen. Das Haus, das sich mehrere Freunde erträumt haben, wird nicht zu einem warmen Ort.
Ein Buch über Liebe und Freundschaft in einer Welt, die Vertrauen nicht kennt. Ein Roman über das Ringen um Nähe, um Liebe, Loyalität und Freundschaft im Schatten staatlicher Kontrolle. Ein bestechendes Porträt von der Kraft und Zerbrechlichkeit menschlicher Bindungen, dem Enthusiasmus des Neuanfangs und dem Verlust von Illusionen.

Mit stiller Wucht schreibt PEGGY MÄDLER (Jahrgang 1976) über das Flirren zwischen Halt und Auflösung – über Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz. Ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wiedervereinigten Deutschland.

Montag 5. Oktober
Stadtarchiv
Marktplatz 1 (Eingang Darrenstraße) | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
„Verschwundene Verlage – Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte (1945 – 1990)“ – Lesung und Gespräch
mit CHRISTOPH LINKS,
Moderation: CARSTEN GANSEL

Nach dem Ende der DDR gab es nur noch 78 zentral zugelassene Verlage, obwohl nach 1945 um die 200 zugelassen worden waren. Der Verleger, Herausgeber und Verlagshistoriker CHRISTOPH LINKS (Jahrgang 1954) hat die Geschichte von 150 verschwundenen Verlagen recherchiert und geht der Frage nach, wo die Gründe für das Verschwinden liegen. Er klärt, wie die SED-Führung im Bereich der Kulturwirtschaft agierte, welche Folgen sich aus der Umsetzung planwirtschaftlicher Methoden ergaben und auf welche Weise wirtschaftliche Konkurrenz beseitigt wurde.

Mittwoch 7. Oktober
Kunstsammlung Neubrandenburg
Große Wollweberstraße 24 | 17033 Neubrandenburg
18.00 Uhr
„Die Wilden am Tollensesee – Surrealismus in der DDR-Literatur“
Texte von ELKE ERB, GERT NEUMANN, WOLFGANG HILBIG u. v. a.
Lesung und Gespräch
mit DR. ANNE GRÄFE,
Moderation: MATTHIAS WOLF

Gemeinsame Veranstaltung von Kunstsammlung Neubrandenburg und Mecklenburgischer Literaturgesellschaft e. V. im Rahmen der Ausstellung „Räume der Sehnsucht“

Die Bilder zeigen den Spiegel des Landes – auch in der DDR-Literatur existierte der Surrealismus als subversive, im Verborgenen, am Rande agierende Strömung, die eine direkte Kampfansage an den Sozialistischen Realismus sein wollte. Während eine verständliche, optimistische und politisch erzieherische Kunst eingefordert war, nutzten Maler wie Autoren surrealistische Techniken wie Traumlogik, Absurdität und das Unbewusste, um den starren Kontrollanspruch der Mächtigen ästhetisch zu unterwandern.

Anhand von Texten u. a. von ERKE ERB, WOLFGANG HILBIG und GERT NEUMANN untersucht der Abend mit der Literaturwissenschaftlerin ANNE GRÄFE (Universität Lüneburg), wie in einem engen Land Sehnsuchtsräume geweitet werden konnten. Als magischer Ort dient dabei der Tollensesee, ihn tragen an seinen Ufern entstandene Geschichten.

Donnerstag 8. Oktober
Haus des HUMANISMUS
Potsdamer Straße 157 | 10783 Berlin
18.00 Uhr
„Good Morning, Mrs. Bachmann“
UWE JOHNSON schreibt INGEBORG BACHMANN aus ihrer Wohnung in Rom –
Lesung mit MICHAELA WINTERSTEIN,
Moderation: MATTHIAS WOLF

Im Sommer 1970 unternahm Ingeborg Bachmann von Rom aus eine längere Reise nach Österreich und Deutschland. Während dieser Zeit überließ sie ihre Wohnung an der Via Bocca di Leone Uwe Johnson und Familie. Die Briefe, die Johnson aus und über diese Wohnung an Bachmann schreibt, sind das Dokument einer Freundschaft, die von gegenseitiger Achtung lebte – und in Uwe Johnsons geradezu erbarmungsloser Genauigkeit die unschätzbare Dechiffrierung von Ingeborg Bachmanns nächster Umgebung in Rom.

Ein Briefgeschenk zum 100. Geburtstag der Dichterin, gelesen von der Schauspielerin und Sprecherin MICHAELA WINTERSTEIN.

Mittwoch 21. Oktober
Kino Latücht
Große Krauthöferstraße 16 | 17033 Neubrandenburg
20.00 Uhr
„Vater, Sohn und der Preis des Widerstands“ – Dokumentarfilm von Götz Schauder, 2026
Gespräch mit GERT NEUMANN,
ARAM RADOMSKI und GÖTZ SCHAUDER,
Moderation: CARSTEN GANSEL

Gemeinsame Veranstaltung von Latücht – Film & Medien e. V., Stasi-Unterlagen-Archiv Neubrandenburg und Mecklenburgischer Literaturgesellschaft e. V.

Der Vater, auf dem Weg zum Schriftsteller, wurde 1969 vom Studium am Literaturinstitut Leipzig exmatrikuliert, veröffentlicht Romane ohne Druckzulassung und wird von der Staatssicherheit überwacht. Sein Sohn war politischer Häftling und filmte illegal Umweltzerstörung und die Leipziger Montagsdemonstration 1989. Vater und Sohn sind sich in ihrer widerständigen Haltung gleich, dennoch gibt es einen tiefen Graben zwischen ihnen. Der Film zeigt ihre vorsichtige Annäherung. Doch wie hoch ist der Preis des Widerstands? Lohnt es sich immer, die Widersprüche in Biografien auszuhalten?

Uwe Johnson-Preisträger GERT NEUMANN und sein Sohn ARAM RADOMSKI sind die Protagonisten des beeindruckenden Dokumentarfilms von GÖTZ SCHAUDER, der zwei Generationen ins biografische Gespräch bringt.

Freitag 23. Oktober
Kunstsammlung Neubrandenburg
Große Wollweberstraße 24 | 17033 Neubrandenburg
18.00 Uhr
„Balagan“ – Lesung und Gespräch
mit MIRNA FUNK,
Moderation: CARSTEN GANSEL

Als Amira in Berlin den Lagerraum ihres verstorbenen Großvaters öffnet, entdeckt sie die verschollen geglaubte Kunstsammlung ihrer jüdischen Familie – und steht plötzlich im Zentrum eines historischen Spektakels. Behalten? Spenden? Verkaufen? Zwischen Instagram-Story und Erbstreit muss Amira ihren eigenen Weg durch das Chaos der Vergangenheit finden.

MIRNA FUNK, geboren 1981 in Ostberlin, studierte Philosophie und arbeitet heute als Autorin sowie freie Journalistin. Für ihren Debütroman „Winternähe“ erhielt sie 2015 den Uwe Johnson-Förderpreis, das Sachbuch „Who Cares“ wurde ein Bestseller. Mirna Funk lebt in Berlin und Tel Aviv.

Donnerstag 29. Oktober
Regionalbibliothek
Marktplatz 1 | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
„Kindheit mit Jimmy oder Die Kunst zu dribbeln“ – Lesung und Gespräch
mit TORSTEN SCHULZ,
Moderation: MATTHIAS WOLF

Von seinem Stehplatz im Stadion an der Alten Försterei fiebert ein Junge mit seinem Verein, dem 1. FC Union Berlin, und seinem Lieblingsspieler Günter »Jimmy« Hoge mit. Die Stunden im Stadion bedeuten dem Jungen Ende der 1960er die Welt – und so reicht es ihm bald nicht mehr aus, sein Idol aus der Ferne zu bewundern. In imaginierten Gesprächen kommt er Jimmy ganz nah und gewinnt in ihm einen unsichtbaren Freund, der ihn durch seine Kindheit und Jugend begleitet. Torsten Schulz erzählt vom Aufstieg und Fall eines großen Talents in einem kleinen Land. Von einem Ausnahmespieler, den die Fans nicht nur für seine Dribblings und göttlichen Flanken liebten, sondern auch für seine wilde, unangepasste Art.

TORSTEN SCHULZ, geboren in Ostberlin, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er war lange Jahre Professor für Dramaturgie an der Filmuniversität Babelsberg. Zahlreiche Spielfilme wurden nach seinen Drehbüchern realisiert.

Donnerstag 5. November
Neues Tor
Neutorstraße | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
„Erik Neutsch. Der letzte Jakobiner“ – Lesung und Gespräch
mit GUNNAR DECKER,
Moderation: CARSTEN GANSEL

Sein erster Roman „Spur der Steine“ machte Erik Neutsch über Nacht berühmt, gleichzeitig stieß er bei Funktionären auf Ablehnung: der Blick auf Alltag und Widersprüche des Sozialismus zu ungestüm, zu frei, zu anarchisch. Lebenslang verfolgte Neutsch das Thema des Jakobinertums. Zerstört politische Radikalität die eigenen Ideale oder schützt sie diese vor bloßer Beliebigkeit? Zwischen Parteitreue und Rebellion gefangen, gerät Neutsch in den Achtzigern in eine Schaffenskrise. Die Wende trifft ihn bis ins Mark – und setzt neue produktive Kräfte frei.

Der promovierte Philosoph GUNNAR DECKER, geboren 1965, veröffentlichte zahlreiche Biografien, so über Franz Fühmann, Gottfried Benn, Ernst Barlach, Hermann Hesse, zuletzt „Rilke. Der ferne Magier“. Er hat für seine Neutsch-Biografie bislang unerschlossenes Archivmaterial gesichtet, das die private Sphäre des Schriftstellers und seinen keinesfalls unkomplizierten Charakter beleuchtet. Decker analysiert mit kundigem Blick auf die Literaturszene der DDR kulturpolitische Entwicklungen und markiert Neutschs Stellenwert: ein unbequemer Realist, leidenschaftlicher Erzähler und streitbarer Zeitgenosse.

Mittwoch 11. November
Neues Tor
Neutorstraße | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
„Good Morning, Mrs. Bachmann“
UWE JOHNSON schreibt INGEBORG BACHMANN aus ihrer Wohnung in Rom –
Lesung mit MICHAELA WINTERSTEIN,
Moderation: MATTHIAS WOLF

„Wir gönnen Ihnen diese Wohnung samt der Umgebung der Massen, wir würden Ihnen am liebsten 2.000 Briefumschläge schenken, darauf hinten gedruckt ist INGEBORG BACHMANN, VIA BOCCA DI LEONE 60 … und da Sie ja wissen, wieviel Briefe Sie in der Woche schreiben, werden Sie sich ausrechnen können, wieviel Jahre Sie hier noch abzuleben hätten. Leben Sie recht wohl in dem See, der nach Ihrer Aussage bei Klagenfurt gelegen ist.“ (Aus dem Brief UWE JOHNSONS an INGEBORG BACHMANN, Rom, 22. Juli 1970)

Donnerstag, 12. November
Badehaus am See
Parkstraße 3-4 | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
„Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“ (Reclam Verlag 2026) –
Lesung und Gespräch
mit CARSTEN GANSEL,
Moderation: MATTHIAS WOLF

Als die DDR unterging, kam es fast über Nacht zur Demontage der gesamten ostdeutschen Literatur. Millionen Bücher wurden vernichtet, Verlage und Betriebe für wenige D-Mark veräußert, Bibliotheken geschlossen. Die Bewertung des schriftstellerischen Schaffens erfolgte nicht nach ästhetischen Maßstäben, sondern nach ideologischen. Autorinnen und Autoren wurden pauschal als „staatsnah“ oder „-fern“ eingeteilt und aus dem kollektiven Gedächtnis verbannt. Das hatte traumatische Folgen, nicht nur für die Diffamierten.

Der in Gießen forschende und in Neubrandenburg lebende Literaturwissenschaftler CARSTEN GANSEL, Vorsitzender der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft, zeigt exemplarisch, warum der Westen im Osten bis heute als dominant und übergriffig empfunden wird. Er wirbt für einen anderen Blick auf die DDR-Literatur und die Ostdeutschen, inklusive einer Rehabilitierung.

Montag 30. November
Regionalbibliothek
Marktplatz 1 | 17033 Neubrandenburg
19.00 Uhr
„Archipelagus 2“ – Lesung und Gespräch
mit UWE TELLKAMP – Uwe Johnson-Preisträger 2008,
Moderation: CARSTEN GANSEL

Der Protagonist des Romans „Archipelagus 1 – Der Schlaf in den Uhren“, Fabian Hoffmann, setzt seine Chronik fort. „Archipelagus 2“ (Arbeitstitel) handelt einerseits wieder im Stadtstaat Treva, nun im September 2015, Beginn der Flüchtlingskrise, andererseits in der Wendezeit von Januar 1990 bis zum 3. Oktober 1990, in der Fabian als Journalist beim „Blockorgan“ anfing, bevor er als Gehilfe des Kulturministers Meno Rohde nach Berlin ging, ein Zeuge der ersten frei gewählten Volkskammer, der Abschaffung eines Staats, der Auflösung des bisherigen Lebens.

UWE TELLKAMP, geboren 1968 in Dresden, Romancier, Erzähler und Essayist, legte 2008 den Roman „Der Turm“ vor, in dem er die Vorwende- und Wende-Zeit der DDR zum Thema macht. Neben anderen Auszeichnungen wurde ihm 2008 der Uwe Johnson-Preis, im selben Jahr der Deutsche Buchpreis und 2009 der Deutsche Nationalpreis zuerkannt. „Archipelagus 1 – Der Schlaf in den Uhren“ erschien 2022.

Die Mecklenburgische Literaturgesellschaft und die Barlachstadt Güstrow danken dem Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern, dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, der Stadt Neubrandenburg, dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und Gentz und Partner Rechtsanwälte und Notare mbB für die Förderung der Uwe Johnson-Tage 2025.

PROF. DR. CARSTEN GANSEL
Vorsitzender
Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V.

SASCHA ZIMMERMANN
Bürgermeister der Barlachstadt Güstrow

MARKUS FRANK
Gentz und Partner Rechtsanwälte und Notare mbB

KATRIN RACZYNSKI
Vorstand des Humanistischen Verbandes
Berlin-Brandenburg KdöR

Vorbestellung/Information:

Mecklenburgische Literaturgesellschaft e. V.
MATTHIAS WOLF
Neues Tor | Neutorstraße | 17033 Neubrandenburg
Telefon: 0395 544 16 71
E-Mail: pegasus-mlg@gmx.de
www.mlg.de

Uwe Johnson-Bibliothek Barlachstadt Güstrow
DR. TILMANN WESOLOWSKI
Am Wall 2 | 18273 Güstrow
Telefon: 03843 76 94 65
E-Mail: uwe-johnson-bibliothek@guestrow.de
www.uwe-johnson-bibliothek.de

Frau Rilke Buchladen
KATHRIN MATERN
Strelitzer Straße 11 | 17235 Neustrelitz
Telefon: 03981 205063
E-Mail: buchladen@frau-rilke.de
www.frau-rilke.de

Haus des HUMANISMUS
DEBORAH RACHEL
Potsdamer Straße 157 | 10783 Berlin
Telefon: 030 20 64 67 540
E-Mail: haus@hvd-bb.de
www.humanistisch.de

Badehaus am See
ELFRUN SCHELLER
Parkstraße 3 + 4 | 17033 Neubrandenburg
Telefon: 0395 571924-0
E-Mail: rezeption@badehaus-am-see.de
www.badehaus-am-see.de

Latücht – Film & Medien e. V.
HOLM-HENNING FREIER
Große Krauthöfer Str. 16 | 17033 Neubrandenburg
Telefon: (0395) 5666611
E-Mail: veranstaltungen@latuecht.de
www.latuecht.de